Die IHK-Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr
- Kamil Skora
- vor 7 Tagen
- 6 Min. Lesezeit

Eine Voraussetzung für die EU-Lizenz ist der Nachweis der fachlichen Eignung. Doch wie weist man diese nach? Hierfür gibt es mehrere Optionen. Wie im Beitrag davor beschrieben, ist es möglich, jemanden einzustellen, der über den nötigen Schein verfügt – also einen externen oder internen Verkehrsleiter.
Eine weitere Möglichkeit ist, die fachliche Eignung im Güterkraftverkehr selbst nachzuweisen. Das kannst du entweder, indem du belegst, dass du eine Ausbildung im Bereich Transport & Logistik absolviert hast, oder indem du erfolgreich die IHK-Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr abgelegt hast. In diesem Beitrag soll es hauptsächlich um diese Prüfung gehen.
Erfahre, wie du dich am besten auf die Prüfung vorbereitest, welche Möglichkeiten der Vorbereitung du hast, warum die Durchfallquote so hoch ist und wofür genau die Fachkundeprüfung gut ist.
Wie ist die IHK-Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr aufgebaut?
Um die Güterkraftverkehrslizenz zu erhalten, musst du der Behörde beweisen, dass du ein gewisses Grundverständnis in den Bereichen Gütertransport und der Unternehmensführung mitbringst. Die Genehmigungsbehörden erlauben zwar die Einstellung oder Beauftragung einer Person mit dieser Qualifikation aber am besten ist es immer, wenn der Unternehmer selbst weiß, was er tut.
Im Vergleich zu vielen anderen Berufen ist dieser Nachweis im Güterkraftverkehr theoretisch relativ simpel: Es reicht, eine einzige Prüfung zu bestehen. Keine Ausbildung, kein Meisterbrief. Theoretisch kannst du dich zur Prüfung anmelden und, wenn du sie bestehst, die fachliche Eignung im Güterkraftverkehr nachweisen. Hört sich simpel an, oder?
Leider ist es in der Realität nicht ganz so einfach. Denn die Prüfung ist nicht ohne. Sie besteht insgesamt aus drei Teilen und umfasst Themen wie: Recht, kaufmännische und finanzielle Führung des Betriebs, technische Normen und technischer Betrieb, Straßenverkehrssicherheit sowie grenzüberschreitender Güterkraftverkehr (eine genauere Aufstellung der Themen findest du am Ende des Beitrags).
Die drei Teile sind wie folgt aufgebaut: Der erste schriftliche Teil besteht meist aus Fragen, auf die du kurz antworten musst, sowie aus einigen Multiple-Choice-Aufgaben.
Im zweiten Teil gibt es oft eine Fallstudie bzw. ein Fallbeispiel. Das heißt: Du bekommst eine Ausgangssituation, zum Beispiel: „Du betreibst ein Transportunternehmen, das sich auf den Transport von Gefahrgütern spezialisiert hat.“ Danach folgen mehrere Aufgaben zu diesem konkreten Fall.
Eine Aufgabe, die sehr oft dran kommt, ist die sogenannte Fahrzeugkostenrechnung. Es lohnt sich, diesen Part wirklich gut draufzuhaben denn hier kannst du sehr viele Punkte holen.
Der letzte Teil der Prüfung ist mündlich. In diesem Teil wirst du von den Prüfenden zu verschiedenen Themen befragt.
Insgesamt gibt es 300 Punkte zu erreichen.
Teil 1 – 40% – 120 Punkte
Teil 2 – 35% – 105 Punkte
Teil 3 – 25% – 75 Punkte
Die Prüfung ist bestanden, wenn du mindestens 60% (also 180 Punkte) der möglichen Gesamtpunktzahl erreichst. Wichtig: Du brauchst in jedem Teil mindestens 50% der Punkte. Wenn du das in einem Teil nicht schaffst, gilt die Prüfung leider als nicht bestanden.
Schaffst du es, in den ersten beiden Teilen zusammen bereits 180 Punkte zu sammeln, entfällt die mündliche Prüfung und du hast bestanden. Darum lohnt es sich besonders, bei Teil 2 gut vorbereitet zu sein und bei der Kostenrechnung eine hohe Punktzahl zu erzielen. So stehen die Chancen gut, dass du die mündliche Prüfung umgehen kannst.
Wie bereitet man sich am besten vor?
Grundsätzlich gibt es einige Möglichkeiten, sich vorzubereiten. Ich stelle dir hier mal die zwei gängigsten vor.
Die erste Methode ist das ganz klassische Selbststudium: Du kaufst dir Bücher und Literatur und fängst an zu lernen. Die IHK hat hierzu auch einen Leitfaden veröffentlicht, in dem die wichtigsten Themen abgebildet sind:
Da die Prüfung sehr umfangreich ist und das Selbststudium ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordert, würde ich diese Variante vor allem Personen empfehlen, die schon Erfahrung im Güterkraftverkehr haben und außerdem fit in betriebswirtschaftlichen Grundlagen sind. Das Selbststudium hat natürlich den Vorteil, dass es relativ kostengünstig ist. Auf der anderen Seite hast du den Nachteil, dass du niemanden hast, der dir Dinge erklärt oder Fragen beantwortet. Auf Helfer mit künstlicher Intelligenz würde ich mich dabei nicht verlassen.
Die zweite Variante ist der Besuch eines Vorbereitungskurses zur IHK-Fachkundeprüfung. Also ein Kurs, in dem dir die wichtigsten Themen von einem Dozenten vermittelt werden. Gute Kurse bringen dir die entscheidenden Grundlagen bei und geben dir darüber hinaus Materialien und Übungsaufgaben fürs Selbststudium mit. Beim Kursangebot gibt es verschiedene Modelle: 5 Tage am Stück im Seminarraum, Onlinekurs oder Abendkurs. Du musst entscheiden, was am besten zu deiner Situation passt.
Diese Kurse starten preislich meist ab 800€ und sind eine sehr gute Möglichkeit, dich erfolgreich auf die Fachkundeprüfung vorzubereiten.
Besonderer Tipp: Wenn du dich für einen Vorbereitungskurs entscheidest, versuche ihn möglichst kurz vor der Prüfung zu machen. Zum Beispiel so, dass der Kurs etwa zwei Wochen vor dem Prüfungstermin endet. Dann kannst du die Zeit zwischen Kursende und Prüfung nutzen, um das Gelernte zu festigen und gut vorbereitet in die Prüfung zu gehen.
Warum ist die Durchfallquote so hoch? Welche Erwartungen solltest du haben?
Ganz oft liest man, dass die Prüfung „extrem schwer“ sein soll und die Durchfallquote sehr hoch ist. Eine offizielle, einheitliche Statistik dazu findet man zwar nicht aber viele Quellen berichten von einer sehr hohen Durchfallquote. Das zeigt: Viele unterschätzen die Prüfung.
Du musst das aber ins Verhältnis setzen: Die Fachkundeprüfung ist (für viele) der zentrale Weg, um die fachliche Eignung nachzuweisen und dementsprechend ist sie nicht auf dem Niveau eines kleinen Schultests. Gleichzeitig ist „schwer“ immer subjektiv: Mit der richtigen Vorbereitung ist die Prüfung absolut machbar.
Was viele vergeigen, ist weniger das Wissen, sondern die Einstellung und die Vorbereitung. Wenn du mit dem Mindset reingehst „Ich mach schnell ein Seminar und dann wird das schon“, wird’s oft eng. Wenn du dagegen sauber planst, erst denn Kurs machst und danach noch konsequent im Selbststudium übst wirkt die Prüfung plötzlich viel weniger „schwer“.
Und ja: Die Themen sind breit und du wirst nicht alles zu 100% auswendig lernen können. Aber wenn du in allen Bereichen ein solides Grundwissen hast, die Kostenrechnungen wirklich sicher beherrschst und vor allem Aufgabenformate übst (statt nur zu lesen), steigen deine Chancen extrem.
Außerdem zeigt dir schon das große Angebot an Verkehrsleitern, dass die Prüfung grundsätzlich machbar ist.
Fazit
Wenn du die EU-Lizenz beantragen willst, kommst du am Nachweis der fachlichen Eignung nicht vorbei. Und die IHK-Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr ist für viele der direkteste Weg dahin. Auch wenn es nur eine einzige Prüfung ist, gilt: der Umfang ist groß, die Themen sind breit und du musst in mehreren Teilen konstant abliefern.
Die gute Nachricht: Du musst dafür kein Genie sein. Du brauchst einen Plan, eine realistische Zeitschiene und vor allem Übung im Prüfungsformat. Wer nur liest oder zu schnell in die Prüfung rennt, verschenkt Punkte. Wer dagegen Fallstudien und Rechenaufgaben (gerade Kostenrechnung) so lange trainiert, bis es sitzt, hat einen echten Vorteil. Und genau da trennt sich am Ende die Spreu vom Weizen.
Wenn du es richtig angehst, bekommst du mit der Fachkundeprüfung nicht nur den Nachweis für die Behörde, sondern auch ein Grundwissen, das du später als Unternehmer wirklich brauchst: Zahlen verstehen, Risiken einschätzen, Regeln kennen und Entscheidungen im Alltag sauber treffen. Mit der richtigien Vorbereitung ist die Prüfung nicht „leicht“, aber sie ist definitiv machbar.
(Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit nutze ich in diesem Beitrag die männliche Form – gemeint sind natürlich alle, die die Fachkundeprüfung ablegen wollen.)
Mehr Informationen zum Thema Fachkundeprüfung und Fachkundenachweis findest du in unserem Leitfaden Dein Fachkundenachweis. Erfahre auf welche verschiedenen Arten du den Nachweis bieten kannst und woran du erkennst, ob ein Vorbereitungskurs gut ist.
Außerdem findest du am Ende des Beitrags die Themengebiete der IHK Fachkundeprüfung. Die Informationen stammen von der IHK Südlicher Oberrhein.
Mehr Infos rund um das Thema Gründung auf deinelizenz.com.
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Prüfungssachgebiete
• Recht
− Güterkraftverkehrsrecht
− Gewerberecht einschließlich Gefahrgut-, Abfall- und Tiertransporte
− Straßenverkehrsrecht
− Arbeitsrecht
− Sozialversicherungsrecht
− Bürgerliches Recht2
− Handelsrecht
− Steuerrecht
• Kaufmännische und finanzielle Führung des Betriebes
− Zahlungsverkehr und Finanzierung
− Kostenrechnung
− Beförderungsbedingungen und -preise
− Beförderungsdokumente
− Buchführung
− Versicherungswesen
− Spedition
− Betriebsführung von Kraftverkehrsunternehmen
− Marketing
• Technische Normen und technischer Betrieb
− Zulassung und Betrieb der Fahrzeuge
− Instandhaltung und Untersuchung der Fahrzeuge
− Fahrzeuggewichte und Abmessungen
− Laden und Entladen der Fahrzeuge
− Beförderung gefährlicher Güter
− Beförderung von Nahrungsmitteln
− Grundregeln des Umweltschutzes bei der Verwendung und Wartung der Fahrzeuge
• Straßenverkehrssicherheit
− Unfallverhütung und bei Unfällen zu ergreifenden Maßnahmen
− Verkehrssicherheit
• Grenzüberschreitender Güterkraftverkehr
− Grundzüge der Bestimmungen, die für den Güterkraftverkehr zwischen den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaften und anderen Vertragsstaaten des Europäischen Wirt-
schaftsraumes sowie zwischen diesen und Drittländern gelten
− Grundzüge der Zollpraxis, Arten und Bedeutung der Beförderungsdokumente
− Grundzüge der Verkehrsregeln in den Nachbarstaaten, insbesondere in den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaften
− Vorschriften und Maßnahmen gegen unerlaubte Beförderung von Rauschmittel




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